Schreiben von SPME Germany an den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam zur Unterzeichnung des Memorandums mit der „University of Religions and Denomiations (URD)“ in Qom, Islamische Republik Iran.

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Akademiker für Frieden im Nahen Osten
Sektion Deurschland SPME Germany e.V.

 

1. Vorsitzender und Sprecher des Vorstands:
Prof. Dr. med. Ralf R. Schumann
Institut für Mikrobiologie und Hygiene
Charité-Universitätsmedizin Berlin
Hindenburgdamm 27, 12203 Berlin
Tel.: 030-450524141
FAX: 030-450524941
e-mail: [email protected]
 

An Herrn Prof. Dr. Johann Evangelist Hafner
Dekan der Philosophischen Fakultät
Universität Potsdam
Am Neuen Palais 10

14469 Potsdam

Berlin, den 15.8.2012

Spectabilis,

hoch verehrter Herr Kollege Hafner,

als Vorsitzender der deutschen Sektion der Internationalen Wissenschaftlerorganisation Scholars for Peace in the Middle East (SPME-Germany e.V.) wende ich mich mit diesem Brief an Sie mit der Bitte einer Erklärung zur Unterzeichnung des Memorandums mit der „University of Religions and Denomiations (URD)“ in Qom, Islamische Republik Iran.

Natürlich respektieren wir das Recht auf Freiheit von Forschung und Lehre, das bei uns herrscht, und ein echter wissenschaftlicher Austausch zwischen Universitäten von rechtsstaatlichen freien Ländern ist unserer Ansicht nach stets zu begrüßen. Auf der anderen Seite muss klar sein, dass derartige Abkommen mit einer renommierten Fakultät, wie der von Ihnen geleiteten in Potsdam, die andere Seite immer auch aufwerten. Dies wäre im Falle einer unabhängigen und liberalen Universität ebenfalls zu begrüßen, wir meinen jedoch, dass ein derartiges Memorandum gerade mit der URD in Qom, Iran, sehr problematisch ist und deshalb zurückgenommen werden sollte.

Sie wissen sicher, dass die islamische Republik Iran mit der Auslöschung des Staates Israel droht und gleichzeitig starke Bestrebungen hegt, Nuklearwaffen zu entwickeln. Zudem leugnet der iranische Präsident Ahmadinejad offen den Holocaust und unterstützt den weltweiten Terrorismus. Dies hat zu starker internationaler Kritik geführt, woraufhin wirtschaftliche Sanktionen beschlossen wurden, um die iranische Regierung zu Kursänderungen zu bewegen. Ohne Not jetzt eine öffentliche Aufwertung einer – wie unten dargelegt – klar „linientreuen“ Universität durchzuführen, läuft diesen internationalen Bemühungen, die ohnehin noch zu wenig Wirkung zeigen, diametral entgegen.

Ein wissenschaftlicher Austausch gerade im Bereich der „Theologie“, auch wenn er generell sicher über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg geschehen sollte, erscheint hier zudem besonders problematisch, da die Auslegung der islamischen Religion im Iran neben den erwähnten internationalen und außenpolitischen Verwerfungen auch innenpolitisch massive und absolut inakzeptable Auswirkungen hat. Wie brutal die Regierung unter Berufung auf eine religiös begründete Scharia-Gesetzgebung gegen Andersdenkende, sexuelle Minderheiten oder nicht vorschriftsgemäß gekleidete Frauen vorgeht, müssen wir hier sicher nicht erläutern. Öffentliches Aufhängen von minderjährigen Homosexuellen, das Steinigen von „Ehebrecherinnen“ oder die brutale Verfolgung der Bahai sind so grausame Folgen dieser „Theologie“, dass ein ganz normaler „Austausch“, wie Sie ihn hier befürworten, einer Akzeptanz dieser Menschenrechtsverletzungen nahekäme, was unverzeihlich wäre.

Obwohl Sie in einer Stellungnahme anmerken, dass das URD ein „liberales“ Institut sei, kann man schon nach kurzer Recherche erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist. Qom gilt als Zentrum des islamischen Fundamentalismus und der besonders extreme und antisemitische Präsident Ahmadinejad hat das URD als islamistische Kaderschule gegründet. Wie Sie wissen hat die Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Potsdam daher Ende 2006 eine im Jahr 2000 geschlossene Hochschulpartnerschaft aufgekündigt mit der Begründung, dass die Regierung Ahmadinejad eine antiisraelische Politik betreibe. Hieran hat sich nichts zum besseren geändert, im Gegenteil: Die Vernichtungsdrohungen gegen Israel wurden erneuert und erst kürzlich wurde eine Todesfatwa gegen den deutsch-iranischen Sänger Schahin Najafi ausgesprochen, und zwar durch den Großayatollah Makarem Schirasi, eine der Leitfiguren ausgerechnet dieser URD. Großayatollah Javadi Amoli, ebenfalls von der URD, verschärfte zudem kürzlich weiter die Homophobie und bezeichnet Homosexuelle als „niederträchtiger als Hunde und Schweine“.

Wir bitten Sie daher, das Memorandum aufzukündigen. Uns erscheint nicht nachvollziehbar, wie hier ein wissenschaftlicher Austausch stattfinden kann, da die URD keinesfalls eine freie und unabhängige oder gar liberale Universität ist. Vielmehr scheint das Memorandum nur die offizielle iranische Politik und eine mit ihr eng verbundene Kaderschule aufzuwerten. Es stärkt somit die brutale islamistische Diktatur und ist ein Schlag ins Gesicht für die unterdrückte Oppositionsbewegung im Iran und im Ausland. Damit würde die Universität Potsdam ihren Ruf international beschädigen.

Wir wären für eine Erklärung Ihrerseits sehr dankbar und verbleiben

mit freundlichen Grüßen,

im Namen des Vorstands von SPME-Germany,

Ihr Prof. Dr. Ralf R. Schumann

Schreiben von SPME Germany an den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam zur Unterzeichnung des Memorandums mit der „University of Religions and Denomiations (URD)“ in Qom, Islamische Republik Iran.

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