Internationale Wissenschaftlervereinigung moniert den Umgang des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung mit dessen Kritikern

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AKADEMIKER FÜR FRIEDEN IM NAHEN OSTEN -SEKTION DEUTSCHLAND
SPME-GERMANY e.V.
-SEKTION DEUTSCHLAND
SPME-GERMANY e.V.

c/o Prof.em. Dr. Diethard Pallaschke
Institut für Operations Reseach
Universität Karlsruhe (TH)
76128 Karlsruhe

e-mail: [email protected]

Karlsruhe, 10.02.2009

Presseerklärung:

Internationale Wissenschaftlervereinigung moniert den Umgang des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung mit dessen Kritikern

Die deutsche Sektion von „Scholars for Peace in the Middle East“ -ein internationales Netzwerk von über 20.000 Wissenschaftlern (www.spme.net ) – kritisiert den unsachlichen und diffamierenden Tonfall, mit dem das Zentrum für Antisemitismusforschung auf die Kritik an seiner Tagung „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ bis heute reagiert.

Diese Kritik wurde u.a. von dem Nobelpreisträger Elie Wiesel, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann und dem Holocaustforscher Daniel Jonah Goldhagen formuliert.

Die deutsche Sektion von „Scholars for Peace in the Middle East“ erwartet, dass das Zentrum die wissenschaftliche Kontroverse über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit fördert, anstatt sich abzuschotten und Diskursteilnehmer anzugreifen.

Bitte finden Sie anliegend:

die Stellungnahme der deutschen Sektion von SPME

  • die deutsche Erstveröffentlichung der Kommentare von Elie Wiesel, Dieter Graumann und Daniel J. Goldhagen,
  • das von SPME kritisierte Dokument des „Zentrums für Antisemitismusforschung“.

AKADEMIKER FÜR FRIEDEN IM NAHEN OSTEN -SEKTION DEUTSCHLAND
SPME-GERMANY e.V.
EDEN IM NAHEN OSTEN -SEKTION DEUTSCHLAND
SPME-GERMANY e.V.

c/o Prof.em. Dr. Diethard Pallaschke
Institut für Operations Reseach
Universität Karlsruhe (TH)
76128 Karlsruhe

e-mail: [email protected]

Karlsruhe, 10.02.2009

Ist das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung zu einer ernsthaften Auseinandersetzung bereit?

Im Dezember 2008 löste die vom Berliner „Zentrums für Antisemitismusforschung“ veranstaltete Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ sowie das dazugehörige „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ eine große öffentliche Debatte aus. Der Potsdamer Rechtsanwalt und ehemalige Staatssekretär Klaus Faber sprach von einem „neuen Antisemitismusstreit“.

Zu den Themen dieser bis heute nicht beendeten Diskussion gehört die Frage

  • ob der Begriff „Islamophobie“ wissenschaftlich abgesichert ist,
  • ob Feindseligkeit gegenüber Muslimen mit Feindseligkeit gegenüber Juden auf
    eine Stufe gestellt werden kann,
  • ob sich die Arbeit des „Zentrums“ stärker als bisher auf den Antisemitismus und
    die Holocaustleugnung im Iran konzentrieren sollte.

In Deutschland wurde diese Diskussion im öffentlichen Fernsehen, in öffentlichen
Radiosendern und in zahlreichen überregionalen Tageszeitungen geführt.

Auch international erschienen hierüber Artikel und Kommentare in Zeitungen wie dem
„Wall Street Journal“, der „Jyllands Posten“ dem „Nederlands Dagblad“, der „Haaretz“
und der „Jerusalem Post“.

Gleichzeitig meldeten sich prominente Juden wie der Holocaustüberlebende und
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der Buchautor Daniel Jonah Goldhagen, der
Vorsitzende des Jerusalem Center For Public Affairs, Dr. Manfred Gerstenfeld und der
Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, zu Wort.

Die internationale Organisation „Scholars for Peace in the Middle East” setzt sich für die
wissenschaftliche Fundierung der Diskussion um Antisemitismus und Anti-Israelismus
ein und möchte eine offene und angemessene Diskussionskultur fördern.

Wir betrachten es deshalb als bedauerlich und inakzeptabel, dass das „Zentrum“ in
seinem „Newsletter“ Nr. 37 von Januar 2009 die oben skizzierte Auseinandersetzung
pauschal als „politische oder moralische Kampagne“, als „Verleumdung“ oder als

„Verteidigung manichäischer Weltbilder“ abqualifiziert. Wir sind befremdet, dass dem
Deutschlandkorrespondenten der Jerusalem Post in diesem Zusammenhang Hass,
Rachegefühle und monetäre Interessen unterstellt werden.

Wir sind befremdet, dass dem Deutschlandkorrespondenten der Jerusalem Post in diesem Zusammenhang Hass, Rachegefühle und monetäre Interessen unterstellt werden.

Das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung ist ein weltweit renommiertes
Forschungszentrum und eine bedeutende öffentliche Institution. Seine Arbeit ist heute
wichtiger denn je. Wir hoffen, dass das „Zentrum“ die grundsätzliche Berechtigung und
Notwendigkeit dieser Diskussion anerkennt. Wir erwarten, dass es die wissenschaftliche
Kontroverse über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit fördert, anstatt sich
abzuschotten und Diskursteilnehmer anzugreifen.

Wir empfehlen dem „Zentrum“,

  • in dem angekündigten Band zur Tagung „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“
    auch die Kritiker dieses Tagungskonzepts zu Wort kommen zu lassen;
  • zur Versachlichung dieser Auseinandersetzung eine öffentliche
    Podiumsdiskussion zu organisieren (wir bieten unsere Mithilfe an);
  • die persönlichen Angriffe auf den Korrespondenten der Jerusalem Post
    zurückzunehmen.

Das „Zentrum“ ist nicht nur ein öffentliches Forschungsinstitut sondern zugleich eine
Lehranstalt, die über 50 Doktoranden betreut. Es steht in der Verantwortung, einen
guten wissenschaftlichen Stil vorzuleben.

Der Vorstand von SPME-Germany e.V.
gez. Prof. em. Dr. Diethard Pallaschke

Zitate:

Dieter Graumann:

„Antisemitismus und Islamophobie sind NICHT gleichzusetzen – die Unterschiede sind
gewaltig und monströs und grausam: Sowohl was das rassistische Element angeht, wie
die schreckliche Geschichte, wie den ausdrücklichen eliminatorischen Hass – damals von
den Nazis ausgehend und heute von erklärten Islamisten wie dem iranischen
Präsidenten. Wer das alles einfach ignoriert und pauschal gleichsetzen will – der deutet
sich naiv die Welt schön, betreibt träumerische Realitätsverweigerung und lebt im
Fantasialand seiner wolkigen Wunschträume.“ (Quelle: Jerusalem Post, 10.12.2008)

*****

Daniel J. Goldhagen:

„In der muslimischen Welt breitet sich ein wilder Antisemitismus zügellos aus. Viele
politische Führer äußern sich mit genozidalen Bedrohungen. Die nukleare Gefahr
überschattet die jüdische Gemeinschaft in Israel mit der Möglichkeit eines anderen
Holocaust. Dennoch weigert sich das Berliner,Zentrum für Antisemitismusforschung’,
eine Petition zum Stop jener Bombe zu unterschreiben, die zu benutzen der ehemalige
iranische Präsident Rafsandjani mit den Worten, sie würde Israel zerstören, in Erwägung
zog. Stattdessen nimmt das „Zentrum“ die politischen Islamisten in Schutz, indem es das
Darlegen dieser Fakten über den politischen Islam mit dem halluzinatorischen Hass, den
man Antisemitismus nennt, gleichsetzt.“ (Quelle: Jerusalem Post, 10.12.2008)

*****

Elie Wiesel:

„Falls das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung die antisemitische iranische
Bedrohung tatsächlich herunterspielte, wäre dies ungeheuerlich.“
(Quelle: Jerusalem Post, 10.12.2008)

*****

Zentrum für Antisemitismusforschung: Newsletter Nr. 37, Januar 2009:

Wissenschaft als Ärgernis

Eine Konferenz des Zentrums am 8. Dezember 2008 unter dem Titel „Feindbild Muslim –
Feindbild Jude“, in deren Mittelpunkt die wachsende Feindschaft gegen Muslime in
Deutschland stand, erregte bereits im Vorfeld viele Gemüter. Zuvor waren einige Beiträge
aus dem Zentrum zu diesem Thema im Jahrbuch für Antisemitismusforschung
erschienen, die Emotionen bei denen auslösten, die zwischen Wissenschaft einerseits
und politischer und moralischer Kampagne andererseits nicht unterscheiden wollen. Auf
der Bloggerszene wurde mit großer Wut (und weitgehend unter Verzicht auf
Anstandsregeln) gekämpft. Viele, vielleicht die meisten Internet-Autoren, haben die
inkriminierte Veranstaltung gar nicht besucht. Offensichtlich ging es nicht um den
Austausch von Argumenten, sondern um die Verteidigung manichäischer Weltbilder.
Man muss die Bloggerei nicht so ernst nehmen, zumal der Zeitaufwand den Ertrag der
Lektüre nicht rechtfertigt. Die seriösen Medien berichteten objektiv. Zwei israelische
Zeitungen – die Jerusalem Post und Haaretz – haben allerdings Hasstiraden publiziert,
die ebenso infame wie obskure Verdächtigungen gegenüber dem Zentrum für
Antisemitismusforschung enthalten. Die Motive des Autors erklären sich aber wohl aus
der Tatsache, dass es sich um einen ehemaligen Doktoranden des Zentrums handelt,
den die Aufforderung einer Stiftung verdross, empfangene Stipendiengelder
zurückzuzahlen, da er keine Leistung als Gegenwert der Förderung erkennen ließ. Dass
die genannten Zeitungen die Verleumdungen druckten, hat auch Leser in Israel
erstaunt.

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